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Fantastisches aus dem Kunstareal

München im Jahr 1889. Aus der Glyptothek wird eine altägyptische Schakalsmaske gestohlen, die den Jenseitsgott Anubis darstellt. Der Kurator des Museums wird ermordet, zwei Privatermittlerinnen engagiert. Es beginnt ein historisch-phantastischer Krimi im Kunstareal, der auch Station im Lenbachhaus macht … Geschrieben wurde er von der Ägyptologin Roxane Bicker, Museumspädagogin im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst. In der Kategorie „Bestes Debüt“ hat es der Roman „Inepu – Die Herren des Schakals“ (Hybrid-Verlag) jetzt auf die Nominiertenliste des renommierten Literaturpreises für Phantastik SERAPH geschafft. Höchste Zeit für uns, der Autorin ein paar Fragen zu stellen.

In Deinem Debütroman geht es um ägyptische Mythologie und zahlreiche Orte des Geschehens liegen im heutigen Kunstareal München. Wie bringst Du das zusammen? Bitte erzähle uns etwas mehr über die Handlung (aber nicht zu viele Spoiler!).

Ich bin Ägyptologin, arbeite mitten im Kunstareal und schreibe seit meiner Jugend, mal mehr, mal weniger intensiv. Die Geschichte um die Schakalsmaske kam relativ überraschend Anfang 2016 zu mir und wollte geschrieben werden. Damals befanden sich einige heute im Ägyptischen Museum befindliche Objekte noch in der Glyptothek, der Ort der Handlung ergab sich also von selbst. Es lag nahe, die ganzen anderen historischen Orte des heutigen Kunstareals auch mit einzubeziehen: den Glaspalast (heutiges Parkcafé im Alten Botanischen Garten), das Lenbachhaus (wo das Finale des Romanes spielt!) und vieles anderes. Man kann also eigentlich mit dem Buch durchs Kunstareal spazieren und die historischen Orte in anderem Licht entdecken.

Der Roman spielt im historischen München, zwei Privatermittlerinnen als Protagonistinnen, beide ungewöhnliche Persönlichkeiten für die damalige Zeit, und ein Raubmord. Die Suche nach der Schakalsmaske und den Hintergründen des Verbrechens führt die beiden auf die Spuren der „Herren des Schakals“, einer Vereinigung, die finstere Ziele verfolgt … und mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Die Schakalsmaske sucht man heute im Ägyptischen Museum übrigens vergeblich. Ob das daran liegt, dass die beiden Damen sie nicht wiedergefunden haben? Wer weiß …

Was macht die Geschichte phantastisch?

Gerüchten zufolge soll es mit der Schakalsmaske möglich sein, den altägyptischen Gott Anubis zu beschwören und möglicherweise hat er auch einen Auftritt im Buch – das ja immerhin auch seinen Namen trägt, denn „Inepu“ ist die altägyptische Namensversion des Jenseitsgottes Anubis.
Das Buch ist historischer Roman, Krimi, Fantasy, Mystery und bietet so einem breiten Publikum einen Zugang.

Was fasziniert Dich an dieser Form der Literatur?

Die Möglichkeiten, die mir damit offen stehen! In der Phantastik ist ja eigentlich alles erlaubt – mein Herz schlägt für die Urban Fantasy, die in der modernen Welt spielt, aber immer auch ein wenig Fantastisches dort hineinbringt. Die Welt um uns herum ist also in den Büchern mehr, als wir hier haben!

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Eigentlich habe ich schon immer geschrieben. Meine Eltern haben unglaublich viele Bücher, schon früh wurde vorgelesen, später habe ich selbst unzählige Bücher verschlungen. Was lag näher, als sich selbst Geschichten auszudenken? Während des Studiums und zu Beginn meiner Zeit hier in München lag das Schreiben lange Zeit brach – zurückgefunden habe ich durch die museale Zusammenarbeit mit der Münchner Autorin Diana Hillebrand, die bei uns für ihre Bücher recherchiert hat. Das war zum Jahreswechsel 2015/2016, und noch im Januar habe ich in einer Woche die Rohversion von „Inepu“ geschrieben. Seitdem hat mich das Schreiben nicht mehr losgelassen.

Wie hast Du von der Nominierung erfahren?

In der Tat hat mich am Morgen ein Freund auf Twitter angeschrieben: „Roxane, Dein Buch ist beim Seraph nominiert!“ Ich konnte das gar nicht glauben, musste sofort selbst nachschauen, aber in der Tat – er hatte recht! Bis heute fühlt sich diese Nominierung immer noch etwas irreal an.

Was kommt als Nächstes, sitzt Du bereits an einem neuen Buch?

Ich habe viele Buchprojekte gleichzeitig am Laufen. „Inepu“ ist Teil einer Trilogie – der zweite Band „Aset“ ist im November 2020 erschienen, aktuell arbeite ich am Lektorat des dritten Bandes „Usir“, der Ende 2021 erscheint. Im Mai kommt mein Buch „Wellenbrecher“ heraus, der erste Band der „Gezeitenwechsel“-Trilogie. Der Name deutet es schon an, es spielt nicht in München, sondern an der Nordsee und ist wieder ein Krimi mit Mystery-Elementen … und Meerjungfrauen! Der Folgeband ist auch bereits geschrieben und wartet gerade auf Überarbeitung. Parallel dazu beteilige ich mich an Kurzgeschichten-Ausschreibungen und bringe zusammen mit den Münchner Schreiberlingen auch selbst Anthologien heraus!

Was ist Dein aktuelles Lieblingsbuch

Beeindruckt haben mich in letzter Zeit „Gideon the Ninth“ von Tamsyn Muir und „The Song of Achilles“ von Madeline Miller!

Und was ist Dein Lieblingsort im Kunstareal?

Das fällt schwer zu sagen, und eigentlich müsste es ja das Ägyptische Museum sein, weil Arbeitsehre und so – aber es ist der Garten des Lenbachhauses, der im Sommer eine echte Oase ist und wo man in der Mittagspause ganz wunderbar entspannen kann, und wenn man dann zum Ateliertrakt hinüberschaut, und daran denkt, dass dort in „Inepu“… aber, pst! Ich will ja nicht zu viel verraten!

Die Fragen stellte Laura Schieferle.

Wer mer über die Autorin erfahren möchte:

Twitter: https://twitter.com/roxane_bicker
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Instagram: https://www.instagram.com/roxane_bicker_autorin/

Foto: Jens Bicker