DOK.fest München

DOK.fest München

@home

Das DOK.fest München findet – wie im vergangenen Jahr – online auf der digitalen Leinwand statt: von 5. bis 23. Mai. Unter „normalen“ Umständen wären zahlreiche Filme in Institutionen des Kunstareals gezeigt worden. Nun folgen wir dem DOK.fest München in den virtuellen Raum und stellen hier eine Auswahl an Dokumentarfilmen über Kunst vor. Insgesamt bringt das Festival 131 Filme aus 43 Ländern zu den Zuschauer*innen nach Hause. Beim zweiten DOK.fest München @home werden 90 Premieren präsentiert, darunter 28 Weltpremieren. Das virtuelle Rahmenprogramm mit Eröffnung und Filmgesprächen sorgen für ein digitales Festivalgefühl.
Hier gibt es das gesamte Programm: https://www.dokfest-muenchen.de/

Filme über Kunst


MARY BAUERMEISTER - EINS UND EINS IST DREI

Carmen Belaschk, Deutschland 2020, 102 Min., Originalfassung: Deutsch, Englisch - Untertitel: Englisch, Deutsch

Mary Bauermeisters Kunst vereint Komplexität und Schönheit mit einer Botschaft. Obwohl die Künstlerin in den 60er-Jahren viele andere Künstler inspirierte und ihre „Prä-Fluxus-Veranstaltungen“ in ihrem Atelier berühmt waren, tauchte sie plötzlich in der Kunstwelt nicht mehr auf. „Ihre Geschichte steht sinnbildlich für die weibliche Tragödie. Sie verliebte sich in den berühmtesten Komponisten der Welt, Stockhausen. Sie ging zurück nach Europa und war dort ein Niemand,“ erinnert sich ein Sammler. Der Dokumentarfilm von Carmen Belaschk, der uns nicht zuletzt durch die Filmmusik und das Sounddesign des Sohnes Simon Stockhausen diese wundervolle Künstlerin und ihr Werk nahebringt, zeigt eine starke Frau, die beeindruckende Kunstwerke erschaffen hat. Ina Bormann
 

IN DEN UFFIZIEN

Corinna Belz, Enrique Sánchez Lansch, Deutschland 2020, 96 Min., Originalfassung: Italienisch, Eglisch, Deutsch - Untertitel: Englisch, Deutsch

„Ich habe fast alles gesehen, was Florenz an Kunstsachen enthält. Man könnte wohl mit großem Nutzen einige Zeit hier verweilen“, notierte schon Goethe über die weltberühmte Kunstsammlung der Medici in Florenz: die Uffizien. Als Eike Schmidt 2015 als erster ausländischer Museumsdirektor den altehrwürdigen Musentempel mit Hauptwerken von Botticelli, Caravaggio, Tizian und da Vinci bezog, besaß das jährlich von zwei Millionen Touristen besuchte Schmuckstück der Renaissancearchitektur nicht einmal eine Website. Mit Humor, Digitalstrategie und ohne Scheu vor Gegenwartskunst macht er das traditionelle Haus fit für die Besucher*innen von morgen. Ebenso facettenreicher wie lehrhafter Einblick in diffizile Arbeitsprozesse abseits des Besucherstroms. Simon Hauck
 

DIE KUNST DER FOLGENLOSIGKEIT 

Jakob Brossmann, Friedrich von Borries, Deutschland 2020, 67 Min., Originalfassung: Französisch, Englisch, Deutsch - Untertitel: Englisch

„Was im Moment als sinnvolles Leben angesehen wird, hat ja zum Zustand der Zerstörung unserer Natur geführt, den wir jetzt erleben.“ Der Architekt und Designtheoretiker Friedrich von Borries hat einen Gegenvorschlag: folgenlos leben! Sich von Erfolg und Wachstum lossagen. Diese Idee aufgreifend, entwickelt der Regisseur Jakob Brossmann ein kunstvoll verschachteltes hybrides Szenario, konfrontiert Dokumentarisches mit Fiktionalem und lässt innerhalb der verschiedenen Ebenen Figuren wie Darstellende – und nicht zuletzt von Borries und sich selbst – zu Wort kommen. Was ist Kunst, was kann, soll sie politisch bewirken? Wie wichtig ist Erfolg und was bedeutet es, ein Leben zu führen, das keine negativen Folgen hat? Ein Film, der dazu einlädt mitzudiskutieren! Selime Schauer-Altinbilek
 

ERWIN OLAF – THE LEGACY

Michiel van Erp, Niederlande 2020, 76 Min., Originalfassung: Niederländisch, Englisch - Untertitel: Englisch

Wie auf Leben und Werk zurückblicken – und wie in die Zukunft? Was ist der Sinn? Was bleibt? Diese großen Fragen stellt sich der preisgekrönte niederländische Fotograf Erwin Olaf kurz vor seinem 60. Geburtstag. Es ist ein Wendepunkt seines Lebens: Eine Krankheit beeinträchtigt zunehmend seinen Alltag und seine Mutter liegt im Sterben. Gleichzeitig scheint der Fotograf sorgfältig komponierter, arrangierter und von der Malerei Rembrandts inspirierter Bilder nun auf dem Gipfel seiner Karriere zu stehen, etliche Ausstellungen sind in Planung, viele seiner Werke werden ins Amsterdamer Rijksmuseum transferiert. ERWIN OLAF – THE LEGACY zeigt einen selbstkritischen und nachdenklichen Künstler und Menschen, der offen seine Gedanken und Gefühle teilt, rau und zart und nahbar. Monika Haas
 

WHITE CUBE

Renzo Martens, Niederlande, Belgien, Kongo 2020, 79 Min., Originalfassung: Französisch, Englisch - Untertitel: Englisch

Von der Kunstperformance zur Lebensperspektive. In den ehemaligen Palmöl- und Kakaoplantagen von Unilever im Kongo, wo heute die Arbeit stillsteht, bleiben auch die Arbeiter*innen sich selbst überlassen. Renzo Martens macht sie zu seinem Projekt und motiviert sie, sich zu einem Künstlerkollektiv zusammenzuschließen. Das gemeinsame Ziel: sich selbst zu ermächtigen. Am Ende steht ein sogenannter „White Cube“ auf der Plantage und die ehemaligen Arbeiter*innen erzielen mit Schokoladenskulpturen auf dem internationalen Kunstmarkt hohe Erlöse. Renzo Martens führt die Logik der Kunstwelt ad absurdum, dekonstruiert ihren Gestus der Erhabenheit und macht dabei schmerzlich spürbar, wie sehr die Kunst von der Wirtschaft durchtränkt ist. Adele Kohout
 

MONOBLOC

Hauke Wendler, Deutschland 2021, 90 Min., Originalfassung: Portugiesisch, Italienisch, Hindi, Französisch, Englisch, Deutsch – Untertitel: Englisch, Deutsch

Jeder ist schon einmal auf ihm gesessen: auf jenem geliebten, gehassten Plastikstuhl, der in jeder Strandbar, jedem Vorgarten, vor jeder Frittenbude sein Dasein fristet. Wussten Sie eigentlich, wer ihn erfunden hat? Und wer ihn dann als Massenware produziert hat? Dass er sogar im Museum steht? Wo muss ein Filmteam überall hinreisen, um eine Geschichte zu erzählen, die von Wirtschaft, Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Würde erzählt – und über eine seltsame Beziehung: die zwischen Menschen und Dingen. Eine kuriose Reise nach Afrika, Indien, USA, Frankreich, Brasilien… auf der Suche nach einem Stuhl, der immer schon da ist, bevor man angekommen ist. Ein persönliches Porträt von einem der auszog – um sitzen zu lernen. Elena Alvarez
 

HUNTER FROM ELSEWHERE - A JOURNEY WITH HELEN BRITTON

Elena Álvarez Lutz, Deutschland 2021, 97 Min., Originalfassung: Englisch, Deutsch - Untertitel: Englisch

„The dead, the damned and the treasures, all in the same place, … the earth’s depth.” Aus der Tiefe gewinnt Helen Britton das Material für ihre „tragbare Kunst“ – schwerelose Metallketten, Regenwolken mit Jaspistropfen, filigrane Skulpturen. Aufgewachsen in Newcastle, New South Wales, einer Hochburg der Schwerindustrie, zieht es die Australierin in den 90er-Jahren nach München. Sie studiert bei Otto Künzli und entdeckt eine „exotische“ Welt. Neugierig auf die uralte Handwerkstradition bleibt sie doch auch der industriellen Faszination ihrer Kindheit treu. Im Film streifen wir durch ihre gigantischen Sammlungen, beobachten sie beim behutsamen Umgang mit ihren Fundstücken und dringen Schicht um Schicht zum Gravitationspunkt ihrer Arbeit vor: „What we hold in our hands are memories.“ Anne Thomé
 

THE ART OF SIN

Ibrahim Mursal, Norwegen, Sudan 2020, 58 Min., Originalfassung: Arabisch, Englisch, Norwegisch - Untertitel: Englisch

Der sudanesische Künstler Ahmed Umar flüchtete 2008 nach Norwegen. Dort kann er ausstellen und Performances machen. 2015 bekannte er sich auf Facebook zu seinem Schwulsein. Ein Tabubruch. Im Sudan stand bis 2020 auf Homosexualität die Todesstrafe. THE ART OF SIN porträtiert den Künstler und sein Schaffen, dokumentiert Homophobie – auch in Norwegen – und begleitet ihn auf seiner Reise zurück in den Sudan. Der Filmemacher Ibrahim Mursal, selbst im Sudan in einer religiösen Familie aufgewachsen, ringt mit der offenen Homosexualität und queeren Identität seines Protagonisten und seinem eigenen Lebenskonzept. Eine intensive Auseinandersetzung zweier junger Männer und ihr Versuch, im Leben zwischen Norwegen und Sudan zu ihrer je eigenen Identität und Kunst zu finden. Silvia Bauer
 

NOT ME - A JOURNEY WITH NOT VITAL

Pascal Hofmann, Schweiz 2020, 78 Min., Tamaschek, Rätoromanisch, Deutsch - Untertitel: Deutsch, Englisch

Not Vital ist Künstler – und erfolgreich: 152 Einzelausstellungen, 230 Gruppenausstellungen. Seine Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen haben es in die besten Galerien der Welt geschafft. Der Film folgt der Spur des Schweizers und schlägt dabei manches Mal Haken und Volten. Entlang der Bildkompositionen des Kameramanns Benny Jaberg, der immer wieder Motive der Romantik bedient, entsteht so ein cinematografisch ebenso gewagtes wie inspirierendes Porträt. Das Sounddesign ist schlichtweg erstaunlich: assoziativ überzeugend, frisch und clever. Pascal Hofmann gelingt mit seinem Film weit mehr als eine Katalogisierung des Werkes: Er inszeniert eine feinsinnige Begegnung mit dem Graubündner, seinen Träumen und seinen Geschichten – ein dialogue raisonné. Jan Sebening
 

Allgemeine Informationen

Sie können ab sofort Filme auswählen und online bezahlen. Die Filme können Sie dann vom 6. bis zum 23. Mai anschauen. Das Streaming steht ab dem ersten Start 48 Stunden lang zur Verfügung: Ein Ticket kostet 6 Euro, das Soli-Ticket 7 Euro (inkl. 1 Euro für unsere Partnerkinos). Zudem gibt es einen Festivalpass für 70 Euro (inkl. 5 Euro Kino-Soli).